Krebsstory 01 – Der Weg zur Diagnose: Wenn man Rücken hat, ohne Rücken zu haben

01: Wenn man Rücken hat, ohne Rücken zu haben (Dezember 2022 bis Februar 2023)

Der schleichende Beginn

Begonnen hat alles ganz unspektakulär beim Aufstehen. Irgendwann im Dezember 2022 ist mir aufgefallen, dass ich beim Anziehen das rechte Bein gerade mal bis zum rechten Winkel anheben konnte. Aber so kommt man in keine Hose. Also habe ich kurzerhand mit der Hand nachgeholfen um das Bein soweit anzuheben, dass ich ins Hosenbein reinschlüpfen konnte. Das zweite seltsame Phänomen hatte auch im Schlafzimmer sein Zuhause: Meine Personenwaage, die mich immer wieder mit neuen Abnehmerfolgen erfreute. Und das ohne dass ich mich dafür irgendwie besonders angestrengt hatte. Aber wer nimmt so einen geschenkten Gewichtsverlust nicht dankbar zur Kenntnis?

Das Dumme: Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Und so habe ich mich an diese Beinhebeschwäche gewöhnt. Auch als sie immer ausgeprägter wurde: Beim Schuheanziehen oder beim Einsteigen ins Auto wurde der helfende Griff unter den Oberschenkel zur Gewohntheit. Zwar hat es schon seltsam ausgesehen, wenn ich das Bein wie einen Fremdkörper auf dem Fahrersitz schubbste, aber wenn es mal an Ort und Stelle war, hat der Fuß ja seinen Dienst getan.

Zunehmend kamen weitere Probleme dazu: Schmerzen, die immer wieder mal auftraten und von der Hüfte bis zum Fuß ausstrahlten. Und es dauerte nicht lange, da war auch der Bereich des Kreuzbeins eine Schmerzbaustelle. Damit konnte Doktor Google etwas anfangen: Das konnte ja kaum etwas anderes sein, als ein gereizter Ischiasnerv. Oder war es vielleicht doch ein Bandscheibenvorfall? Der soll uns Schreibtischtäter ja häufiger mal ereilen.

Der Klassiker: Von Arzt zu Arzt

Der Gang zur Hausärztin beruhigte die Bandscheiben-Angst – dafür gabs eine Rezept für Krankengymnastik. Das könnte sicher helfen, wenn man denn irgendwann einmal einen Termin bekommt. So war es die letzte Januar-Woche, als endlich zum ersten mal unter die Hände einer Physiotherapeutin geriet. Aber es tat sich nichts. Die Schmerzen wurden stärker, obwohl die Schmerzmittel bereits zum Tagesprogramm gehörten.

So war der Orthopäde die nächste Station. Besser gesagt: Das warten auf einen Termin. Das Gewohnheitstier in mir hatte ja schon allerlei Strategien entwickelt, irgendwie durch den Tag zu kommen. Dazu gehörte oft, dass ich mich zur Schmerzentlastung in die Rückenlage begeben habe.
In der Schule flezte ich in der Pause auf den Tischen der Schüler, dabei baumelte das rechte Bein von der Tischplatte herunter. Ein cooler Tipp aus der Physiotherapie. Ich lag in Kirchenbänken, oder hinter der Bühne bei unseren Kabarettauftritten. Und im Arbeitszimmer stand schon sehr bald ein zweiter Bildschirm auf einem Lesepult, damit ich Wechsel von Sitzen und stehen arbeiten konnte. Bis schließlich irgendwann das Liegen auf dem Sofa zum zentralen Arbeitsplatz wurde.

Eine befreundete Ärztin versuchte es mit Akupunktur. Dabei bekam ich etwas Einblick in einen mir sehr unbekannten Ansatz zur menschlichen Gesundheit. So fremd die Begrifflichkeiten der chinesischen Medizin auch waren. Ihre Anamnese und die Gedanken die sich daraus ableiteten waren an manchen Ecken beunruhigend: Schwindende Lebensernergie und Kälte waren Begriffe, die bei mir dabei hängen geblieben sind. Wir beide ahnten da ja noch nicht, wie sehr diese Beschreibung auf die Prozesse in meinem Körper zutrafen

So gingen weitere Wochen ins Land und auch die ersten Tage, an denen ich gar nicht mehr arbeiten konnte

Am 7. März 2023 gings dann tatsächlich zum Orthopäden. Es gab ein Röntgenbild und den Verdacht auf einen Gleitwirbel. Aha! Also doch näher dran am Thema Wirbelsäule. Immerhin wurde ich zum MRT überwiesen. Was dann auch erstmal “Warten” bedeutete. Zum zweiten Mal spürte ich den Fluch einer zwei-Klassen-versorgung in unserem Gesundheitssystem. Für mich als AOK-Patienten hatte etliche Radiologiepraxen nur ein müdes Lächeln übrig: In den nächsten Wochen war da nichts zu machen. Als Privatpatient wäre ich noch vor dem nächsten Wochenende dran gekommen. Schließlich schaffte ich es eine Praxis in Kitzingen zu finden, die mich schon in nur 16 Tagen unterbringen konnte. Ich hoffte, dass sich keine allzugroßen Schäden an der Wirbelsäule zeigen würden. Aber es kam ganz ganz anders.

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