Krebsstory 05 – Das Ergebnis der Molekularanalyse: Was habe ich nun wirklich?

Das Gespräch als Gamechanger

Von der Biopsie bis zum Ergebnis des Molekularanalyse dauerte es zweieinhalb Wochen. Dann wurde ich in die onkologische Ambulanz Erlangen einbestellt. Eigentlich hatte ich kein Bild, was mich da erwarten würde. Ein Gespräch? Die nackte Wahrheit? Der Therapieplan? Irgendeine Prognoase, wie lang ich noch leben würde?
Ich hatte noch den Tipp im Ohr, zu so einem Termin nicht alleine zu gehen. Viele Ohren hören mehr als zwei. Viele Patienten erzählen, davon, dass nach den ersten Minuten der Kopf schon voll ist und der Rest einfach vorbeirauscht. Darum habe ich meinen Cousin, einen Arzt im Ruhestand, gebeten mitzugehen. Und es war gut so. Es hat mir Sicherheit gegeben, auch wenn das Gespräch anders verlief, als befürchtet.

Mein Gegenüber in der Onkologie der Uniklinik Erlangen war Oberarzt in der Pneumologie. Eine Seele von Mensch, die es geschafft hat, mich mit auf die Reise in meinen Körper zu nehmen. Als er nach der Erklärung der CT-Bilder sagte: “Zusammenfassend kann man sagen: Schlimmer gehts nimmer”, kommunizierte er auf unerklärliche Weise zugleich einen Optimismus, den ich bis heute an ihm schätze.

Was sagten die Bilder?
Ein etwa faustgroßer Primärtumor im rechten Lungenflügel. Dazu kleine Metastasen in beiden Unterlappen, eine Metastase auf der Nebenniere und im Beckenknochen eine große Metastase, die schon Teile des Kochens zerstört hatte.

Und nun nahm sich der Arzt ein weißes Blatt Papier und begann, eine Krebszelle zu malen:  Es entstand eine Skizze, die erklärte, weshalb sich diese Zelle immer wieder teilte, und so zur Krebszelle wurde: Ein kleiner Wachstumsrezeptor dieser Zelle war defekt. Und darum signalisierte er dem Zellkern fälschlicherweise, dass ein sogenannter Wachstumsfaktor an der Zelle angedockt hätte. Und darum telte sich die Zelle immer und immer wieder.
“Und da können wir ansetzen” erklärte der Doc und beschrieb, dass es ein Medikament gibt, das diesen Wachstumsrezeptor lahm legt und dadurch das Krebswachstum stoppen könnte.

Ab jetzt gehört Fachchinesisch zum Alltag

Em Ende landeten auch die Begriffe auf dem Blatt, die von da an mein Krebsleben, mein Lernen, alles Recherchieren und auch das Bewegen in der Krebscommunity bestimmten:

Ich hatte also einen NSCLC – einen Nicht-kleinzelligen Lungenkrebs.
Und meine Zellen hatten einen Defekt am EGFR – dem Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor.
Ja, und der Defekt hatte seinen Grund darin, dass im einem Abschnitt der DNA einige Basenpaare bei der Zellteilung nicht kopiert wurden. Oder im Fachchinesisch: Ich hatte eine Deletion im Exon 19.

Zusammengefasst: Ich habe einen NSCLC mit einer der EGFR-Mutation Exon 19 DEL. Und dafür gibt es ein Medikament! Und zwar eines, dass eine sehr hohe Ansprechrate hat und das Überleben der Patienten deutlich verlängert. Plötzlich sprechen wir nicht mehr von wenigen Monaten, die noch bleiben, sondern von Jahren.

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